Freitag, 22. April 2016

Aktuelle Artikel aus dem Frühjahr


Fotografie im lokalen Kontext
Der israelische Pressefotografiepreis

Seit vergangenem Spätsommer ist Israel aufgrund einer Welle von Messerattacken palästinensischer Jugendlicher und militärischen Gegenreaktionen der israelischen Armee immer wieder Thema in den internationalen Nachrichtenmedien. Viele andere politische und soziale Geschehnisse in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten schaffen es dagegen nur selten, die Aufmerksamkeit der Medien zu bekommen. Einen Überblick dieser Ereignisse und deren fotojournalistische Darstellung bietet die Ausstellung des israelischen Pressefotografiepreises, die vor Kurzem im Tel Aviver Eretz Israel Museum präsentiert wurde. Die Ausstellung zeigte nicht nur die Vielfalt politischer und sozialer Fragestellungen sowie Konflikte, mit denen Israel konfrontiert wird, sondern auch das Potenzial, über diese mit Hilfe der Fotografie zu erzählen.


Der vollständige Artikel findet sich auf Qantara.
Link zum Festival: www.edutmekomit.


Fotobiennale in Paris
Die arabische Welt im Spiegel der Fotografie

In Zeiten, in denen die mediale Berichterstattung über die arabische Welt auf die politischen Konflikte fokussiert und der politische Diskurs vom Umgang mit der Migration aus der Region geprägt ist, setzt eine Fotobiennale in Paris ein visuelles Zeichen der Vielfalt und Pluralität. Felix Koltermann hat sich die Ausstellungen für Qantara angesehen. Die Ausstellungen liefen bis zum 17. Januar. Auf der Webseite der Biennale werden alle beteiligten Künstler und ihre Arbeiten vorgestellt.

Der vollständige Artikel findet sich auf Qantara.
http://biennalephotomondearabe.com/


Mamilla und der Tower of David

Es ist gibt wohl kaum eine Stadt auf der Welt, in der der öffentliche Raum derart stark von politischen Fragestellungen und Konflikten durchdrungen ist, wie Jerusalem. Nur ein kleiner Teil der damit verbundenen Phänomene ist jedoch auf den ersten Blick sichtbar. Vieles erschließt sich erst dann, wenn man mit aufmerksamem Blick durch die Stadt geht, Fragen stellt und einzelne Puzzleteile zusammensetzt. Am Jerusalemer Stadtviertel Mamilla, das sich zwischen West-Jerusalem und der Altstadt erstreckt, lässt sich beobachten, wie stadtplanerische Entscheidungen den öffentlichen Raum verändern und eine neue visuelle Realität mit großer politischer Strahlkraft schaffen.

Der vollständige Artikel findet sich auf Qantara.


Sinnbilder amerikanischer Landschaft
Stephen Shore bei C/O Berlin

Im Februar wurde in der Berliner Fotografiegalerie C/O Berlin eine Retrospektive der amerikanischen Fotografenlegende Stephen Shore eröffnet. Nach den Ausstellungen mit Sebastiao Salgado und Anton Corbijn im Jahr 2015 beweist die Galerie im Amerikahaus damit ein Mal mehr ein glückliches Händchen dabei, weltbekannte und für die Entwicklung der Fotografie wichtige Fotokünstler nach Berlin zu holen. Der 1947 geborene Stephen Shore gilt als einer der Pioniere der Farbfotografie und hat mit seiner konzeptionellen Arbeitsweise Generationen von Fotografen beeinflusst. Die Ausstellung, noch bis 22. Mai 2016 zu sehen, ist dank einer Kooperation mit der Fundación MAPFRE aus Madrid zu Stande gekommen.

Der vollständige Artikel findet sich beim Neuen Deutschland (Nur über Abo).
www.co-berlin.org
  

Operationen im Verborgenen
Die Ausstellung „Terror Icognitus“ von Edmund Clark

Während US-Präsident Barack Obama im Februar diesen Jahres einen letzten Anlauf gestartet hat, das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba zu schließen, sind in den letzten Jahren immer mehr Details über das dahinterstehende System illegaler staatlicher Aktivitäten ans Licht gekommen. Ungewöhnliche Einblicke in das Thema bietet die Ausstellung „Terror Incognitus“ des preisgekrönten britischen Künstlers und Fotografen Edmund Clark, die zurzeit im Mannheimer Zephyr – Raum für Fotografie – zu sehen ist.

Der vollständige Artikel findet sich bei der taz.
http://zephyr-mannheim.com/clark-de

Mittwoch, 13. April 2016

Kurzbibliographie Fotografie in Mexiko/Lateinamerika


Wer anfängt, über Fotografie in Lateinamerika und in Mexiko zu recherchieren, der stößt relativ schnell an seine Grenzen. Das Wenige was in Europa zum Thema publiziert wurde, sind vor allem Kataloge von großen Ausstellungen sowie einige Publikationen zu ethnographischen Themen. Wesentlich mehr wurde in Lateinamerika publiziert, wobei der Zugang zu dieser Literatur über das deutsche Bibliothekswesen nicht ganz einfach ist. Untenstehend finden sich zwei Kurzbibliographien zu Fotografie in Lateinamerika und zu Fotografie in Mexiko, die sich gut als Einstieg in den Themenkomplex eignen.




Kurzbibliographie Fotografie in Lateinamerika:

  • Billeter, Erika/Kunsthaus Zürich. (1981): Fotografie Lateinamerika von 1860 bis heute, Bern: Benteli.
  • Carreras, Claudi (Hrsg.) (2011): Labyrinth of Views - Documentary Photography in Latin America, RM Verlag.
  • Cravo Neto, Mario/Rio Branco, Miguel (Hrsg.) (2003): La Mirada - Looking at Photography in Latin America, Oehrli.
  • Fabry, Alexis, et. al. (2013): Urbes mutantes 1941-2012: Latin American photography, Mexico D.F.: RM/Toluca Editions.
  • Fernandez, Horacio (2012): The Latin American Photobook, New York: Aperture.
  • Kraus, Michael/Fischer, Michaela (Hrsg.) (2015): Exploring the archive historical photography from Latin America: the collection of the Ethnologisches Museum Berlin, Berlin: Böhlau.
  • Kummels, Ingrid (Hrsg.) (2012): Espacios mediáticos: Cultura y representación en México, Berlin: Walter Frey.
  • Sayag, Alain (1982): La Photographie contemporaine en Amerique latine, Paris: Centre Georges Pompidou.
  • Schwartz, Marcy E./Tierney-Tello, Mary Beth (2006): Photography and writing in Latin America: double exposures, Albuquerque: University of New Mexico Press.
  • Watriss, Wendy/Zamora, Lois Parkinson (1998): Image and memory : photography from Latin America, 1866-1994 : FotoFest, Austin, Tex.: University of Texas Press.
  • Wolff, Gregor (2015): Explorers and Entrepreneurs behind the Camera: The stories behind the pictures and photographs from the Image Archive of the Ibero-American Institute, Berlin: Ibero-Amerikanisches Institut.


Kurzbibliographie Fotografie in Mexiko:

  • Broda, Ana Casas (Hrsg.) (2015): Develar y detonar, Mexico D.F.: Editorial RM.
  • Castillo, Morales (2015): Luna Cornea No 35 - Viajes al Centro de la Imagen III: Aproximaciones al fotoperiodismo mexicano, Mexico D.F.: Conaculta.
  • del Castillo Troncoso, Alberto (2013): Las mujeres de X'oyep, Mexico D.F.: Centro de la Imagen.
  • Fajardo Tapia, David (2015): Bandidos, Miserables, Facinerosos, Mexico D.F.: Centro de la Imagen.
  • Gallegos, Luis Jorge (2011): Autoretratos del fotoperiodismo mexicano, Mexico D.F.: Fondo de cultura economica.
  • García Krinsky, Emma Cecilia, et. al. (2012): Mujeres detrás de la lente : 100 años de creación fotográfica en México 1910-2010, México, D.F.: Gobierno Federal, Estados Unidos Mexicanos, Dirección General de Publicaciones, CONACULTA.
  • Monsivais, Carlos (2012): Maravillas que son: sombras que fueron, Mexico D.F.: Ediciones Era.
  • Mraz, John (2014): México en sus imágenes, Artes de Mexico y del mundo, Mexico D.F.: Artes de Mexico.
  • N.N. (2012): Fotografía Contemporánea en Oaxaca, Oaxaca: Luna Zeta Ediciones.
  • Sánchez Vigil, Juan Miguel/Zaldua, María Olivera (2009): Fotoperiodismo y República, Mexico D.F.: Ediciones Cátedra.
  • SINAFO (2012): Alquimia No. 46 - 100 fotógrafos contemporáneos en México, Mexico D.F.: INAH.

Gerne nehme ich Hinweise für weitere wichtige Publikationen zu den beiden Themenbereichen entgegen und ergänze die Liste dementsprechend.

Freitag, 8. April 2016

Die Fotografie vom Krieg


Bilder vom Krieg sind leider allgegenwärtig in unseren Medien. In Berlin und Prag sind zurzeit zwei Ausstellungen zu sehen, die ganz verschiedene Zugänge zum Thema Fotografie und Konflikt präsentieren. In der kleinen Berliner Galerie Sprechsaal hat die Wanderausstellung „Warzone Freelance Exhibition“ Premiere. Und im Dox Center for Contemporary Art in Prag wird das Projekt „UPFRONT“ gezeigt, dass vor allem spanischsprachige Kriegsfotografen featured.

Sunni Militia Fighter.jpgOG: Abu Ahmed, a Lebanese Sunni militia sniper prepares with others for possible night attacks against Alawite militias based in the nearby Jabal Mohsen neighborhood on August 30, 2013. Photo by Osie Greenway.
Lokale und internationale Freelancer gehören zu den am meisten gefährdeten und gleichzeitig den am wenigsten bekannten journalistischen Akteuren in Konflikt- und Kriegsregionen. Um auf die prekäre Situation der Freelancer in den Kriegsregionen dieser Welt aufmerksam zu machen, hat sich im vergangenen Jahr die Initiative „War Zone Freelance Exhibition“ gegründet. Angelegt ist das Projekt, das unter anderem vom Berlin Fotojournalisten Benjamin Hiller ins Leben gerufen wurde, als Wanderausstellung durch die Metropolen Europas und der USA.

Thematisch geht es in der Ausstellung vor allem um die Konfliktregionen des Nahen Ostens. Zu sehen sind fotografische Arbeiten sowohl von lokalen als auch von internationalen Freelancern. Mit einer Ausnahme einer Serie von Anne Hertzum Alling sind es vor allem Einzelbilder aus ganz unterschiedlichen Kontexten, die mit ausführlichen Bildunterschriften versehen sind. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Bildern Bewaffneter und Situationen an der Front. Im Hinterraum der Galerie sind verschiedene Videos zu sehen. Dazu gibt es eine Gedenktafel zu Erinnerung an die mehreren Dutzend vor allem lokalen Freelancer, die in den letzten Jahren bei ihrer Arbeit im Nahen Osten ums Leben kamen.

Nach der Premiere in Spanien macht im Praguer Dox Center for Contemporary Art das Ausstellungsprojekt „UPFRONT“ Station. Das mit Unterstützung der spanischen Entwicklungshilfeorganisation AECID ins Leben gerufene Projekt zeigt Arbeiten von 23 spanischsprachigen Kriegsfotografen aus den Konfliktregionen dieser Welt. Darunter sind weltweit bekannte Fotografen wie Pep Bonet von der Agentur NOOR aber auch viele bisher eher unbekannte Namen. Ebenso wie beim Projekt WZF sind es zu einem großen Teil Freelancer die hier ein Forum bekommen.

“And so it is. The photographer ceases to exist. The image stands still and silent,condemned for perpetuity to recall the terrible present days of man.”  Gracia Morales

Die Ausstellung „War Zone Freelance Exhibition“ ist vom 17. März bis 15. April in der Galerie Sprechsaal (Marienstraße 26, 10117 Berlin) zu sehen. Danach geht es weiter auf Europatour. Updates über das Projekt gibt es auf der Facebookpage des Projekts. Im DoxCenter for Contemporary Art läuft die Ausstellung „UPFRONT“ vom 1. April bis zum 23. Mai 2016. Der Katalog zur Ausstellung (ISBN: 9788416142705) ist im Verlag Turner erschienen und es gibt ebenfalls eine eigene Projektwebseite.

Links zu den Ausstellungen:
http://www.sprechsaal.de/
http://www.warzonefreelance.com/
https://www.facebook.com/WarZoneFreelance/
http://www.upfront.es/
http://www.dox.cz/en/exhibitions/upfront-war-photojournalists

Mittwoch, 6. April 2016

Fotografische Flussreise in Mexiko


Mexiko ist eines der größten Länder Lateinamerikas mit einer sehr reichhaltigen Naturlandschaft. Dem Aspekt des Wassers und der Flüsse hat sich der mexikanische Dokumentarfotograf Eniac Martinez angenommen. Die dazugehörige Ausstellung „Rios“ ist zurzeit im Fotografiemuseum „Centro de la Imagen“ in Mexiko Stadt zu sehen.

Blick in die Ausstellung im "Centro de la Imagen"
Es sind Bilder von großer Schönheit und hoher dokumentarischer Qualität und Tiefe die Eniac Martinez bei zahlreichen Reisen durch Mexiko entlang verschiedener Flußläufe zusammengetragen hat. Er zeigt auf, wie vielfältig die Nutzung der natürlichen Flußläufe ist: Menschen beim Spielen und Waschen im Fluss sowie die Nutzung für Transport und Freizeitaktivitäten. Er zeigt aber auch die Naturgewalt in Form und Überschwemmungen auf und legt auf eindrucksvolle Art und Weise das Problem der Gewässerverschmutzung offen.

Die Ausstellung im „Centro de la Imagen“ ist sehr umfangreich und besteht aus Dutzenden Fotografien die Martinez seit 2010 zusammengetragen hat. Es ist eine Mischung aus Schwarzweiß- und Farbfotografien, in unterschiedlichen Formaten, die jeweils den dargestellten Themen angepasst sind. Details sowie Übersichten geben ganz unterschiedliche Einblicke. Auf Bildunterschriften wird verzichtet, aber die Bilder sind zum Großteil selbsterklärend.

Blick in die Ausstellung im "Centro de la Imagen"
Eniac Martinez, Jahrgang 1959, ist einer der wichtigsten Dokumentarfotografen des Landes. Einen Namen gemacht hat er sich über aufwendige dokumentarische Projekte wie z.B. über die Mixteken in Mexiko. Für die Leiterin des Centro de la Imagen, Itala Schmelz, überzeugte an seiner aktuellen Arbeit vor allem, dass dahinter ein Blick mit großer Autorenschaft steht, der weit über klassische fotojournalistische Positionen hinausgeht.


Zum Projekt „Rios“ gibt es eine eigene Webseite, auf der die gesamte Arbeit präsentiert wird. Zur Ausstellung gibt es des Weiteren einen kleinen Guide (auf Spanisch) der über die Webseite des „Centro de la Imagen“ beziehen ist. Weitere Projekte von Eniac Martinez sind über seine Webseite einzusehen. Die Ausstellung im „Centro de laImagen“ läuft noch bis zum 10. Juli 2016.

Links zur Ausstellung:
http://eniacmartinez-rios.com/
http://www.eniacmartinez.com/
http://centrodelaimagen.cultura.gob.mx/centro-de-la-imagen/exposiciones/2016/rios.html
http://centrodelaimagen.cultura.gob.mx/centro-de-la-imagen/exposiciones/2016/rios/guia-rios.pdf
http://www.fundacionpedromeyer.com/china/emartinez/index.html

Donnerstag, 10. März 2016

Verwässerung der Dokumentarfotografie


Darüber, was dokumentarische Fotografie bedeutet und was nicht, lässt sich mithin trefflich streiten. Während für die einen dazu nur Arbeiten zählen, die einen klaren fotojournalistischen Anspruch haben, der Eingriffe in das Geschehen vor der Kamera ausschließt, sind für andere damit auch Arbeiten möglich, die einen klaren inszenatorischen Charakter haben oder beispielsweise mit „Found Footage“ arbeiten. Ein gutes Beispiel, wie weit die Grenzen des Dokumentarischen in der zeitgenössischen Fotografie gezogen werden, zeigt die Ausstellung der Gewinner des Dokumentarfotografie-Förderpreises aus dem Jahr 2013 der Wüstenrot Stiftung, die zur Zeit im Photomuseum Braunschweig zu sehen ist.

Der Dokumentarfotografie-Förderpreis der Wüstenrot Stiftung ist einer der wenigen Foren in Deutschland, in denen dokumentarische Fotografie prämiert wird. Andere Preise die einen ähnlichen Rahmen abdecken, sind der Freelens Award oder der N-Ost Recherchepreis. Beide existieren jedoch nicht annähernd so lange und haben nicht ein solches Prestige wie der Preis der Wüstenrot Stiftung. Darüber hinaus ist der Preis anders als die anderen beiden thematisch offen und verfügt über keine Altersbegrenzung. Vergeben wird er alle zwei Jahre, zuletzt im Herbst 2015. Aktuell tourt jedoch die Ausstellung des 10. Jahrgangs, vergeben im Jahr 2013, durch Deutschland.

Gewinner des Preises im Jahr 2013 waren vier Fotograf_innen, die alle ganz unterschiedliche Ansätze und Themen verfolgten. Birte Kaufmann reüssierte mit der dokumentarischen Serie „The Travellers“ über eine kleine Gemeinschaft von Iren die in Tradition der Wanderhandwerker in provisorischen Wohnwagen und Unterkünften leben. Sara-Lena Maierhofer überzeugte die Jury mit einer künstlerisch-konzeptionellen Arbeit über den italienischen Medienmogul Silvio Berlusconi unter dem Titel „The Great“. Arne Schmitt gewann mit Auszügen aus seinem Buch „Die neue Ungleichheit“, einem in Schwarz-Weiß gehaltenen Bildband über neoliberale Architekturen in Köln. Kalouna Toulakoun überzeugte mit der Arbeit „In der Erwartung großer Stürme“, für die er die Spuren seiner laotischen Familie auf der ganzen Welt verfolgt.

Das Feld des Dokumentarischen wird in diesen vier Arbeiten sehr weit aufgespannt. Was die Bildsprache angeht, so steht nur noch die Arbeit von Kaufmann in einer klassischen dokumentarischen Tradition. Toulakoun sucht bereits nach anderen Bildformen und bezieht sehr stark das Umfeld und Gegenstände der von ihm porträtierten mit ein. Umgekehrt gibt es bei Kaufmann keinerlei Bildunterschriften und damit keine Möglichkeit, die einzelnen Bilder bestimmten Orten zuzuordnen und zu erfahren, wer die Abgebildeten sind, während Toulakoun zu jedem Bild eine ausführliche Bildunterschrift präsentiert.

Mit dem Fokus auf einen konzeptionellen Ansatz bewegt sich Arne Schmitt bereits am Rande der dokumentarischen Fotografie. Verstärkt wird dies noch durch eine eher essayistische Präsentationsform, die aus thematischen Tafeln mit drei Bildern und kurzen Texten besteht. Die Grenze ausgereizt bzw. überschritten hat Sara-Lena Maierhofer. Bei ihr ist nicht ein Mal erkennbar, welche Fotografien von ihr stammen bzw. welche Found-Footage sind. Man kann höchstens Vermutungen anstellen. Darüber hinaus sind die Bilder auf eine Art und Weise im Raum angeordnet, dass sie eine Stimmung zum Titel „The Great“ erzeugen sollen. Die einzelnen Fotografien zeichnen sich dabei durch einen großen Grad an Abstraktion aus.

Der Blick auf das Verständnis des Dokumentarischen beim Dokumentarfotografie-Förderpreis ist insofern wichtig, als dass Preise in der Szene eine stillbildende (Vorbild-) Funktion vor allem für jungen Fotograf_innen haben. Die hier skizzierten Beobachtungen reihen sich ein in Tendenzen in der zeitgenössischen Fotografie, den Begriff des Dokumentarischen zu verwässern. Damit ist meiner Ansicht nach die Gefahr verbunden, dass er zur Beliebigkeit verkommt und vor allem sein dokumentarischer und soziopolitischer Anspruch, gesellschaftliche Realitäten über authentische Bilder zu vermitteln, Schaden nehmen könnte. Keineswegs soll damit die Qualität der einzelnen Arbeiten kritisiert werden, die jede für sich ihren Wert haben, jedoch vielleicht besser in einem Kunst-Kontext aufgehoben wären.

Die Ausstellung ist noch bis zum 3. April 2016 im Photomuseum Braunschweig zu sehen. Die Gewinnerbilder sind auch in einem Katalog vertreten, der über die Wüstenrotstiftung zu beziehen ist.

Mittwoch, 2. März 2016

Back Stories – Krieg und Gewalt in Fotobuch und Graphic Novel


Am 3. März werde ich zusammen mit Michaela Zöhrer von der Universität Augsburg in Bonn eine Workshopeinheit in Form einer Fishbowl-Diskussion zum Thema „Krieg und Gewalt in Fotobuch und Graphic Novel“ anbieten.

Bilder von Krieg sind in Nachrichtenmedien und sozialen Netzwerken allgegenwärtig.
Dabei ist die bildnerische Darstellung von Konflikten in den Massenmedien meist
ereigniszentriert und fokussiert auf Gewalt und Leid. Vor allem in den sozialen Medien halten zudem zunehmend Bilder von Amateuren Einzug. Grundsätzlich ist somit eine Tendenz zur Verbreitung von visuellen Informationen in Echtzeit zu beobachten. Alternative, vor allem zeitintensivere Darstellungsformen von Konflikt und Gewalt sowie visuelle Hintergrundberichterstattung haben es vor diesem Hintergrund schwer, sich in Massenmedien und sozialen Netzwerken durchzusetzen. Aus diesem Grund weichen Produzenten zunehmend auf andere Formate wie das Fotobuch oder die Graphic Novel aus.

Das Medium Fotobuch wird von Fotojournalisten vor allem dann gewählt, wenn es um die Präsentation umfangreicher Projekte geht. Der Vorteil besteht darin, dass anders als in journalistischen Medien die Kontrolle über das Produkt vollständig beim
Fotojournalisten liegt. Im vergangen Jahr sorgte das Buch „War Porn“ des deutschen
Fotojournalisten Cristoph Bangert für Aufruhr. Er publizierte darin Kriegsbilder, die von den Redaktionen abgelehnt worden waren. Der Schweizer Fotograf Meinrad Schade hingegen hat sich auf eine Spurensuche am Rande des Krieges in der ehemaligen Sowjetunion begeben, die er unter dem Titel „Krieg ohne Krieg“ publiziert hat. Während das Schades Arbeit ein Beispiel für eine dokumentarische Arbeit ist, hat Bangerts Arbeit vor allem einen selbstreflexiven, medienkritischen Fokus.

Auch Graphic Novels widmen sich unter Rückgriff auf die gestalterischen Mittel des
Mediums Comic immer häufiger den Themen Krieg und Gewalt. Zugerechnet werden
diese Graphic Novels dem „Comics Journalism“ bzw. „Graphic Reporting“, womit deren Nähe zum klassischen Journalismus angesprochen ist. Denn geht es bei diesen Comics nicht um Superheldengeschichten, sondern um die Recherche und Darstellung „wahrer Begebenheiten“. Besonders bekannt sind die Arbeiten des Comiczeichners Joe Sacco, bspw. „Palestine“ (dt.: Palästina), „Safe Area Gorazde“ (dt.: Bosnien) oder „Footnotes in Gaza“ (dt. Gaza). In allen diesen Bänden bilden Saccos Recherche-Aufenthalte vor Ort das Hauptnarrativ, das jeweils durchflochten wird von Augenzeugenberichten und dokumentierenden Einschüben, mit Hilfe derer zurückliegende Kriegsereignissen und Krisensituationen nachgezeichnet werden.

In einem dialogischen Gespräch in Form einer Fishbowl werden Felix Koltermann und Michaela Zöhrer verschiedene Comics und Fotobücher vorstellen. Ziel ist es, das Potential dieser Darstellungsformen zu eruieren, Krieg und Gewalt abseits tagesaktueller und ereigniszentrierter Berichterstattung sichtbar zu machen. Felix Koltermann wird Michaela Zöhrer über ihre Auswahl von Graphic Novels befragen, und umgekehrt Michaela Zöhrer Felix Koltermann zu den Fotobüchern. Ein weiterer Platz in der Mitte der Fishbowl ist für Gäste reserviert, die zu jedem Zeitpunkt in das Gespräch einsteigen können. Ergänzt wird die Diskussion durch einen umfangreichen Büchertisch, an dem weitere Beispiele ausliegen und eine Anregung zur vertieften Beschäftigung mit dem jeweiligen Medium bieten sollen.

Der Workshop ist Teil der Konferenz „Making the invisible visible“ des Arbeitskreises junger Wissenschaftler_innen der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung e.V. (AFK) die am 2. und 3. März 2016 am Gustav-Stresemann-Institut in Bonn stattfindet. Bei Interesse kann das Format abgewandelt auch als Abendveranstaltung angeboten werden.

Samstag, 27. Februar 2016

Ein Magazin zum Thema Migration


Manchmal gibt es einfache den perfekten Zeitpunkt zur Einführung eines neuen Medienprodukts. Das muss man wohl der ersten Printausgabe des Onlinemagazins für jungen Fotojournalismus emerge zum Thema Migration zu Gute halten. Als die Macher sich im Jahr 2014 dafür entschieden, war das Thema zwar bereits allseits präsent, aber nichts im Vergleich zur Debatte im Sommer 2015, die von den nach Europa kommenden Migranten ausgelöst wurde. Angesichts der meist platten tagesaktuellen Bildberichterstattung dieser Zeit konnte emerge genau die Lücke füllen, die angedacht war: Fotojournalistische Hintergrundberichterstattung zu liefern und das Themenfeld Migration visuell wie thematisch breit aufzufächern.

Das Online Magazin emerge existiert seit 2010. Gegründet wurde es von Absolventen der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin. Ein kleines Team stellt Woche für Woche neue Fotoprojekte vor, von Zeit zu Zeit auch Multimediareportagen. Es ist ein anspruchsvolles Freizeitprojekt, das bisher kein Geld abwirft. Damit ist es ein bewundernswertes Engagement. Die Macher arbeiten als freie Bildredakteure oder Fotografen und kennen das Geschäft und die Szene. Das merkt man an der gleichbleibend hohen Qualität, der für das Internet und das Magazin ausgewählten Projekte. Das Onlinemagazin wird durch einen kleinen Buchshop ergänzt, in dem publizistische Projekte in Kleinauflagen der vorgestellten Fotografen verkauft werden.

Das im Herbst neu auf den Markt gekommene Printmagazin von emerge soll zwei Mal jährlich erscheinen und hat eine Auflage von 1000 Exemplaren. Es kommt im klassischen Magazinformat daher. Das Layout ist einfach gehalten und gibt den einzelnen Bildern viel Raum. Zu Beginn gibt es eine Serie von Einzelbildern, die verschiedene Aspekte des Themas Migration aufgreifen. Dem Folgen Bild-Text Reportagen sowie geschriebene Essays zu Flucht, Migration und Fotografie. Es gibt Reportagen über Geflüchtete in Lybien, Gastarbeiter in Sankt Petersburg oder die Lampedusa Gruppe in Hamburg. Eine eher künstlerische Arbeit zum Thema Lebensmittel aus den Heimatländern von Migranten kombiniert Porträts mit Details von Lebensmitteln. Insgesamt sind Bilder von 17 Fotografen im Magazin zu sehen. Die Fotografen und Autoren stehen dabei fast alle am Beginn ihrer Karriere, studieren oder arbeiten als Freelancer und sind zwischen 20 und 30 Jahre. Einige der Texter kommen von Tonic, einem kleinen Onlinemagazin und Kooperationspartner von emerge.

Am Ende des Magazins gibt es einen Essay des Fotohistorikers Enno Kaufhold. Ausgangspunkt seiner Reflexionen über die dokumentarische Fotografie ist das Bild „Migrant Mother“ von Dorothea Lange aus dem Farm Security Administration (FSA)  Projekt der 1920er Jahre. Was nur wenige über diese Bildikone der sozialdokumentarischen Fotografie wissen: Es ist ein inszeniertes Porträt. Kaufhold plädiert ausgehend von dieser Erkenntnis und angesichts des Spannungsfelds im Fotojournalismus zwischen Idealismus und Realismus dafür, mehr Spielräume zuzulassen. Das emerge Magazin ist ein gutes Beispiel für diese Forderung. Mit der großen Vielfalt der hier vertretenen dokumentarischen Ansätze, die von inszenierten Porträts bis hin zu klassischen Reportagen reichen, werden auch hier die Grenzen des Dokumentarischen ausgereizt. Ob dies die Rettung der dokumentarischen Fotografie ist, bleibt jedoch abzuwarten.

In Zeiten, in denen alle Welt die Flucht in die digitalen Medien vollzieht, ist es mehr als ein Wagnis, sich für ein neues Printprodukt zu entscheiden. emerge haben den Start mit einer Crowdfunding Kampagne erfolgreich gemeistert. Das passt in die Trends einer sehr agilen Szene von Fotografie- und Magazinliebhabern, in der gut gemachte und auf Special-Interest-Themen fokussierte Printprodukte immer noch sehr erfolgreich sind. Ob sich das Konzept jedoch auf Dauer trägt, muss sich zeigen. In jedem Fall ist den Machern weiterhin viel Erfolg zu wünschen, da das werbefreie Magazin mit einem Fokus auf dem zeitgenössischen Fotojournalismus eine wichtige Lücke auf dem Magazinmarkt füllt. Und man darf gespannt sein, was die nächste Ausgabe spannendes hervorbringen wird.

Das Onlinemagazin ist unter www.emerge-mag.com zu finden. Auf der Homepage findet sich auch ein Bestellformular für das gedruckte Magazin. Es ist auch in ausgewählten Buchhandlungen wie „do you read me?“ oder bei C/O Berlin erhältlich.